Vitamin-E-Acetat
Vitamin klingt gesund. In Vape-Aerosolen löste es 2019 EVALI aus.

⚠ Klingt harmlos — ist es nicht
Vitamin E ist gesund — als Acetat in Vape-Aerosolen war es 2019/20 Auslöser von über 2.800 Lungenerkrankungen (EVALI) mit 68 Todesfällen in den USA. Hauptproblem: Es beschichtet die Alveolen und blockiert den Gasaustausch.
Auf einen Blick
- Auch bekannt als
- α-Tocopherylacetat · Tocopherylacetat · Vitamin-E-Ester
- CAS-Nummer
- 7695-91-2
- Toxizität
Sehr hoch
- Krebserregend
- Nicht klassifiziert für Krebs
- Im Zigarettenrauch
- Im Vape-Aerosol
- Gestreckt in illegalen THC-Liquids (2019); in legalen Nikotin-Liquids selten
Was ist Vitamin-E-Acetat?
Vitamin-E-Acetat (α-Tocopherylacetat) ist die stabilisierte Esterform von Vitamin E. In Hautölen, Kosmetika und Nahrungsergänzungsmitteln ist es seit Jahrzehnten zugelassen und gilt als unbedenklich für orale und Haut-Aufnahme. In E-Zigaretten-Liquids tauchte es 2019 in den USA massenhaft als Streckmittel in illegalen THC-Liquids auf — und war Auslöser des EVALI-Skandals.
Warum ist Vitamin-E-Acetat in Zigaretten?
Vitamin-E-Acetat hat in legalen Nikotin-Liquids in der EU nichts verloren — es wurde 2019 von US-amerikanischen Schwarzmarkt-Anbietern in THC-Liquids zugesetzt, um deren Viskosität zu erhöhen und Verdünnungen zu kaschieren. Im verdampften Aerosol bildete sich aus dem Acetat ein klebriger Film, der die Lungenbläschen beschichtete und den Gasaustausch behinderte. Der CDC dokumentierte zwischen August 2019 und Februar 2020 über 2.800 Krankenhausaufnahmen wegen schwerer Lungenerkrankungen, 68 Menschen starben.
Was Vitamin-E-Acetat im Körper macht — kurzfristig
Bei EVALI-Patienten begann die Symptomatik typischerweise akut: Husten, Atemnot, Brustschmerzen, in vielen Fällen Übelkeit und Erbrechen, gefolgt von rascher Verschlechterung der Sauerstoffsättigung. Auf CT-Aufnahmen zeigten sich die typischen „milchglasartigen“ Infiltrate beider Lungen — Hinweis auf eine entzündliche, lipoidhaltige Lungenerkrankung. Viele Patienten benötigten Beatmung; einige entwickelten dauerhafte Lungenfunktionsschäden.
Was Vitamin-E-Acetat langfristig macht
Bei den Überlebenden des EVALI-Ausbruchs zeigten sich auch noch Monate später eingeschränkte Lungenfunktion, dauerhaft erhöhte Entzündungsmarker und in einigen Fällen narbige Veränderungen im Lungengewebe. Vitamin-E-Acetat blockiert in der Lunge die alveolären Makrophagen — also genau die Zellen, die Schadstoffe aus den Lungenbläschen entfernen sollten. Diese Beeinträchtigung kann irreversibel sein.
Wo kennst du Vitamin-E-Acetat sonst noch?
Vitamin-E-Acetat kennst du aus Gesichtsölen, Anti-Aging-Cremes, Vitamin-Kapseln und Hautpflege-Produkten. In all diesen Anwendungen ist die Substanz unbedenklich — sie wird über die Haut oder den Darm aufgenommen und vom Körper als Vitamin verarbeitet. Die EVALI-Katastrophe von 2019/20 hat gezeigt: Eine Substanz, die in einem Kontext sicher ist, kann in einem anderen tödlich werden.
Im Vergleich
Es gibt keinen Arbeitsplatz-Grenzwert für Vitamin-E-Acetat, weil die Inhalation der Substanz schlicht nicht vorgesehen ist — sie ist in keinem industriellen Aerosolkontext anwendungsfähig. Die einzige bekannte Inhalations-Exposition stammt aus illegal gestreckten Vape-Liquids; bereits einzelne Vape-Sitzungen mit kontaminierten Cartridges reichten 2019 für klinisch relevante Schäden.
Arbeitsplatz-Grenzwert: kein Grenzwert (üblicherweise nicht inhaliert)
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