Acrolein
Geruch wie verbranntes Fett — Wirkung wie ein Kampfstoff.

Auf einen Blick
- Auch bekannt als
- 2-Propenal · Acrylaldehyd
- CAS-Nummer
- 107-02-8
- Toxizität
Sehr hoch
- Krebserregend
- Ja — IARC Gruppe 2A
- Im Zigarettenrauch
- 50-150 μg per cigarette (DKFZ)
- Im Vape-Aerosol
- 10-200 μg per puff at high wattage (Sleiman et al., Env Sci Technol 2016)
Was ist Acrolein?
Acrolein ist der einfachste ungesättigte Aldehyd und einer der reaktivsten Stoffe im Zigaretten- und Vape-Rauch. Es entsteht beim Erhitzen von Fetten, Glycerin und Pflanzenölen ab etwa 280 °C. Die IARC stufte Acrolein 2021 als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ (Gruppe 2A) ein.
Warum ist Acrolein in Zigaretten?
Beim Verbrennen des Tabaks oxidieren Pflanzenöle und Zucker zu kurzkettigen Aldehyden — Acrolein ist neben Formaldehyd und Acetaldehyd einer der wichtigsten. Pro Zigarette gelangen 50 bis 150 Mikrogramm Acrolein in den Hauptstromrauch (Quelle: DKFZ). In Vapes bildet sich Acrolein, sobald die Heizspirale das pflanzliche Glycerin (VG) auf über 280 °C aufheizt — also bei hohen Leistungsstufen oder den sogenannten „Dry Hits“.
Was Acrolein im Körper macht — kurzfristig
Acrolein gehört zu den stärksten Atemwegsreizstoffen, die im Tabakrauch vorkommen. Bereits geringe Konzentrationen reizen die Schleimhäute der Augen und der oberen Atemwege; das charakteristische Brennen beim tiefen Inhalieren einer Zigarette geht maßgeblich auf Acrolein zurück. Höhere Mengen lösen heftiges Husten, Tränen und Atemnot aus — eine Reaktion, gegen die der Körper kaum eine Schutzmöglichkeit hat.
Was Acrolein langfristig macht
Chronische Acrolein-Belastung schädigt die Bronchialschleimhaut auf zellulärer Ebene und gilt als einer der wichtigsten Treiber der COPD bei Rauchern. Acrolein hemmt zudem die DNA-Reparatur-Mechanismen, was die krebsfördernde Wirkung anderer Stoffe verstärkt. Die IARC-Hochstufung 2021 stützt sich auf Hinweise aus Lungen- und Atemwegskrebs-Studien. Zusätzlich diskutiert die Forschung einen Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Wo kennst du Acrolein sonst noch?
Acrolein wird industriell als Herbizid eingesetzt — unter dem Handelsnamen „Magnacide H“ zur Algenbekämpfung in Bewässerungskanälen. Im Ersten Weltkrieg wurde Acrolein als chemischer Kampfstoff erprobt; sein extrem reizender Charakter machte es zu einer experimentellen Tränen- und Atemgift-Substanz. Den Geruch von Acrolein erkennst du, wenn Speiseöl in der Pfanne anfängt zu rauchen.
Im Vergleich
Die DFG führt aktuell keinen festen MAK-Wert mehr für Acrolein, weil die Datenlage zur krebserregenden Wirkung als nicht ausreichend für eine sichere Konzentrationsgrenze gilt; ACGIH empfiehlt einen Ceiling-Wert von 0,23 mg/m³ (0,1 ppm). Ein Schachtelraucher nimmt täglich rund 2 Milligramm Acrolein über den Rauch auf — direkt in die Atemwege, in kurzen, hochkonzentrierten Stößen, ohne die Verdünnung in offenem Raum, die jeder Arbeitsplatz-Grenzwert annimmt.
Arbeitsplatz-Grenzwert: 0.23 mg/m³ (0.1 ppm Ceiling, ACGIH TLV-C)
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