Acetaldehyd
Der Kater-Stoff aus dem Alkohol — und der heimliche Sucht-Verstärker.

Auf einen Blick
- Auch bekannt als
- Ethanal · Essigaldehyd
- CAS-Nummer
- 75-07-0
- Toxizität
Hoch
- Krebserregend
- Ja — IARC Gruppe 2B
- Im Zigarettenrauch
- 400-1400 μg per cigarette (DKFZ)
- Im Vape-Aerosol
- significantly elevated with sucralose-sweetened liquids
Was ist Acetaldehyd?
Acetaldehyd ist ein kurzkettiger Aldehyd und entsteht bei der Verbrennung organischer Substanzen sowie beim Abbau von Alkohol im Körper. Die IARC stuft Acetaldehyd allein als Gruppe 2B („möglicherweise krebserregend“) ein, in Verbindung mit dem Trinken alkoholischer Getränke jedoch als Gruppe 1. Es ist eine der häufigsten Substanzen im Zigarettenrauch — mengenmäßig nur von Wasser, CO und CO₂ übertroffen.
Warum ist Acetaldehyd in Zigaretten?
Acetaldehyd entsteht beim Verbrennen von Tabakzuckern, Zellulose und zugesetzten Aromastoffen. Pro Zigarette gelangen 400 bis 1.400 Mikrogramm Acetaldehyd in den Hauptstromrauch — damit ist es mengenmäßig eines der häufigsten Karzinogene überhaupt (Quelle: DKFZ). In Vape-Aerosolen, besonders bei mit Sucralose gesüßten Liquids, sind ebenfalls deutliche Konzentrationen messbar.
Was Acetaldehyd im Körper macht — kurzfristig
Acetaldehyd reizt die oberen Atemwege ähnlich wie Formaldehyd, ist aber im Durchschnitt weniger akut spürbar. Wichtiger als die direkte Reizwirkung ist die suchtrelevante Komponente: Acetaldehyd verstärkt nachweislich die Wirkung von Nikotin am Belohnungssystem und macht den Tabakkonsum dadurch zusätzlich abhängigkeitserzeugend. Tierstudien zeigen, dass Nikotin und Acetaldehyd zusammen erheblich suchtartiger wirken als Nikotin allein.
Was Acetaldehyd langfristig macht
Chronische Acetaldehyd-Belastung erhöht das Risiko für Krebs der oberen Atem- und Verdauungswege — Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre. Genau dieser Schadensmechanismus erklärt auch, warum gleichzeitiger Konsum von Tabak und Alkohol das Krebsrisiko multiplikativ steigert: beide Stoffe liefern Acetaldehyd, das in denselben Geweben angreift. Auf molekularer Ebene bildet Acetaldehyd DNA-Addukte und blockiert Reparaturmechanismen.
Wo kennst du Acetaldehyd sonst noch?
Acetaldehyd ist der Stoff, der dir den Kater nach zu viel Alkohol bereitet — die Leber baut Ethanol zuerst zu Acetaldehyd ab, danach erst zur harmlosen Essigsäure. Industriell wird Acetaldehyd zur Herstellung von Kunststoffen, Lösungsmitteln und Parfümstoffen eingesetzt. In manchen Lebensmitteln wird es als künstliches Fruchtaroma zugesetzt.
Im Vergleich
Der Arbeitsplatz-Grenzwert für Acetaldehyd liegt bei 91 mg/m³ (50 ppm) DFG MAK — vergleichsweise hoch, weil die akute Toxizität gering ist. Die langfristige krebsrelevante Belastung beim Rauchen wirkt aber über einen anderen Mechanismus, gegen den der Arbeitsplatzwert nicht schützt.
Arbeitsplatz-Grenzwert: 91 mg/m³ (50 ppm, DFG MAK)
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