2,3-Pentandion
Wird als „diacetylfreier“ Ersatz vermarktet — mit fast identischem Lungenrisiko.

⚠ Klingt harmlos — ist es nicht
Wird als „diacetylfreier“ Aroma-Ersatz vermarktet, hat aber laut NIOSH ein vergleichbares Lungenrisiko (Bronchiolitis obliterans) und einen ähnlich strengen Empfehlungswert.
Auf einen Blick
- Auch bekannt als
- 2,3-Pentandion · Acetylpropionyl · AP
- CAS-Nummer
- 600-14-6
- Toxizität
Sehr hoch
- Krebserregend
- Nicht klassifiziert für Krebs
- Im Zigarettenrauch
- Im Vape-Aerosol
- in vielen butter-/sahnigen Aromen als Diacetyl-Ersatz; ähnliches Lungenrisiko
Was ist 2,3-Pentandion?
2,3-Pentandion (auch Acetylpropionyl, AP) ist ein Diketon mit cremig-buttrigem Geruch und chemisch eng verwandt mit Diacetyl. Nach den Diacetyl-Verboten in vielen Märkten wird 2,3-Pentandion seit den 2010er-Jahren als „diacetylfreier“ Aroma-Ersatz beworben. Die NIOSH-Risikobewertung von 2016 stellt jedoch klar: das Lungenrisiko ist vergleichbar mit Diacetyl, der empfohlene Schichtwert nur unwesentlich höher.
Warum ist 2,3-Pentandion in Zigaretten?
2,3-Pentandion wird gezielt in Vape-Aromen eingesetzt, um die buttrigen, cremigen, vanilligen Geschmacksrichtungen zu erzeugen, die früher mit Diacetyl gemacht wurden. Da viele Märkte (EU für E-Liquids seit 2016) Diacetyl regulieren, schwenken Hersteller auf 2,3-Pentandion um. Studien von Allen et al. (2016) fanden in über einem Drittel getesteter Vape-Liquids 2,3-Pentandion in Konzentrationen, die als gesundheitsrelevant gelten.
Was 2,3-Pentandion im Körper macht — kurzfristig
Akut reizt 2,3-Pentandion Schleimhäute der Atemwege — ähnlich wie Diacetyl, aber etwas milder. Die kritische Eigenschaft ist die gleiche: zeitverzögerte Bindung an Proteine in den kleinsten Bronchien (Bronchiolen), gefolgt von entzündlicher und vernarbender Reaktion über Wochen bis Monate.
Was 2,3-Pentandion langfristig macht
Tierstudien (Hubbs et al., 2012) zeigen, dass 2,3-Pentandion in vergleichbaren Konzentrationen zu Diacetyl Bronchiolitis obliterans („Popcorn-Lung“) auslöst. Die NIOSH-Empfehlung von 2016 setzt den 8-Stunden-Schichtwert daher in dieselbe Größenordnung wie für Diacetyl. Der Marketing-Vorteil „diacetylfrei“ ist toxikologisch nicht gerechtfertigt — das Lungenrisiko bleibt.
Wo kennst du 2,3-Pentandion sonst noch?
2,3-Pentandion findet sich natürlich in Spuren in Bier, Honig und einigen Käsesorten — die Konzentrationen sind dort weit unter denen in industriellen Aromazusätzen. Industriell wird es als Bestandteil von Butter-, Sahne- und Karamell-Aromen für Lebensmittel und Vape-Liquids hergestellt.
Im Vergleich
Der NIOSH-Empfehlungswert für 2,3-Pentandion liegt bei 0,034 mg/m³ (9,3 ppb als 8-Stunden-Schichtwert) bzw. 0,11 mg/m³ (31 ppb als 15-Minuten-Kurzzeitwert, NIOSH REL 2016) — fast identisch zu Diacetyl. Vape-Liquids mit 2,3-Pentandion können diese Werte über viele Züge am Tag konzentriert überschreiten.
Arbeitsplatz-Grenzwert: 0.034 mg/m³ (9.3 ppb 8h-TWA), STEL 0.11 mg/m³ (31 ppb, 15 min), NIOSH REL 2016
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