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Vape-spezifisch

Acetoin

Wird gegen Diacetyl-Verbote eingesetzt — wandelt sich im Körper aber zu Diacetyl.

Acetoin

⚠ Klingt harmlos — ist es nicht

Acetoin wird oft als Ersatz für das verbotene Diacetyl in Vape-Aromen eingesetzt — wird im Körper jedoch teilweise zu Diacetyl zurückoxidiert und kann dadurch dieselben Lungenschäden auslösen.

Auf einen Blick

Auch bekannt als
3-Hydroxy-2-butanon · Acetylmethylcarbinol
CAS-Nummer
513-86-0
Toxizität

Mittel

Krebserregend
Nicht klassifiziert für Krebs
Im Zigarettenrauch
Im Vape-Aerosol
Häufig in buttrigen, sahnigen, vanilligen Aromen; teils als Diacetyl-Ersatz eingesetzt

Was ist Acetoin?

Acetoin (3-Hydroxy-2-butanon) ist eine farblose Flüssigkeit mit cremig-buttrigem Geruch und natürlicher Bestandteil von Joghurt, Sahne und einigen Weinen. Chemisch ist Acetoin eng mit Diacetyl verwandt — beide unterscheiden sich nur durch eine OH-Gruppe statt einer Doppelbindung. In Lebensmitteln gilt Acetoin als unbedenklich; problematisch wird es erst, seit es in E-Liquids als „sicherer Ersatz“ für Diacetyl eingesetzt wird.

Warum ist Acetoin in Zigaretten?

In Vape-Aromen wird Acetoin gezielt verwendet, um die buttrigen, sahnigen, vanilligen Geschmacksrichtungen zu erzeugen, die früher mit Diacetyl gemacht wurden. Hersteller bewerben Acetoin als „diacetylfrei“ — der Punkt, der dabei verschwiegen wird: Acetoin oxidiert während der Lagerung und beim Erhitzen im Coil teilweise zurück zu Diacetyl. Allen et al. (2016) fanden in über der Hälfte getesteter „diacetylfreier“ E-Liquids messbare Diacetyl-Spuren; LoVerme et al. (2019) wiesen die Acetoin-zu-Diacetyl-Konversion über die Lagerzeit nach, beschleunigt durch Nikotin.

Was Acetoin im Körper macht — kurzfristig

Akut wirkt Acetoin milder als Diacetyl — die Atemwegsreizung ist geringer. Das eigentliche Problem ist die Substanz-Vorgeschichte vor der Inhalation: Das vermeintlich diacetylfreie Liquid enthält zum Inhalations-Zeitpunkt bereits messbare Mengen Diacetyl, die beim Erhitzen zusätzlich entstehen. Inhaliert wird also faktisch beides — mit denselben Schadensmechanismen für die kleinsten Bronchien.

Was Acetoin langfristig macht

Wegen der biochemischen Verwandtschaft mit Diacetyl wird auch Acetoin mit dem Risiko der Bronchiolitis obliterans („Popcorn-Lung“) in Verbindung gebracht. Da Acetoin als Ersatz vermarktet wird, gibt es bislang weniger Studien zur Langzeitwirkung von Acetoin-Aerosol als zu Diacetyl-Aerosol — diese Wissenslücke ist Teil des Problems. Forscher der Harvard School of Public Health haben 2016 explizit davor gewarnt, Acetoin als sicher zu betrachten.

Wo kennst du Acetoin sonst noch?

Acetoin kennst du als natürlichen Bestandteil von Joghurt, Sahne, Butter, Käse und Wein — der typische Joghurt-Geschmack basiert wesentlich auf Acetoin und Diacetyl, die von Milchsäurebakterien produziert werden. Industriell wird Acetoin als Aroma-Komponente für Margarine, Backwaren und Limonaden eingesetzt; in all diesen oralen Anwendungen ist die Aufnahme unbedenklich.

Joghurt- und Sahne-AromaVorläufer von DiacetylNebenprodukt der alkoholischen Gärung

Im Vergleich

Es gibt keinen offiziellen DFG-MAK-Wert für Acetoin; die ACGIH empfiehlt einen Schichtwert von 20 ppm (etwa 70 mg/m³) — deutlich höher als für Diacetyl, weil die Substanz akut weniger toxisch erscheint. Diese Empfehlung berücksichtigt aber nicht die biochemische Umwandlung zu Diacetyl im Körper; faktisch entspricht eine hohe Acetoin-Exposition einer indirekten Diacetyl-Exposition mit Verzögerung.

Arbeitsplatz-Grenzwert: kein offizieller Grenzwert (ACGIH-Empfehlung 20 ppm)

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