Diacetyl
Buttergeschmack auf Mikrowellenpopcorn — Lungennarben bei Arbeitern.

Auf einen Blick
- Auch bekannt als
- 2,3-Butandion · Butanedione
- CAS-Nummer
- 431-03-8
- Toxizität
Sehr hoch
- Krebserregend
- Nicht klassifiziert für Krebs
- Im Zigarettenrauch
- 200-400 μg per cigarette (DKFZ — bei aromatisierten Marken höher)
- Im Vape-Aerosol
- wechselnde Mengen in buttrigen/cremigen Aromen; EU-Tabakerzeugnis-Richtlinie verbietet ab 2016 die Verwendung in E-Liquids
Was ist Diacetyl?
Diacetyl (2,3-Butandion) ist eine gelbliche Flüssigkeit mit intensivem Buttergeruch und natürlicher Bestandteil von Milchprodukten. In Lebensmitteln als Aroma seit Jahrzehnten zugelassen, wurde es als Inhalations-Schadstoff in den 2000er-Jahren berüchtigt: Arbeiter in einer US-Popcornfabrik entwickelten eine schwere irreversible Lungenkrankheit — die „Popcorn-Lung“ oder Bronchiolitis obliterans.
Warum ist Diacetyl in Zigaretten?
Diacetyl entsteht beim Verbrennen von zugesetzten Süßungsmitteln und Aromen im Tabak und gelangt mit 200 bis 400 Mikrogramm pro Zigarette in den Hauptstromrauch (Quelle: DKFZ). In Vape-Aromen wurde es vor 2016 häufig in „cremigen“ oder „buttrigen“ Geschmacksrichtungen eingesetzt; seitdem ist es in der EU für E-Liquids gemäß Tabakerzeugnisrichtlinie verboten — in den USA und vielen anderen Märkten gibt es weiter Lücken.
Was Diacetyl im Körper macht — kurzfristig
Akut reizt Diacetyl Augen, Nase und Atemwege. In geringen Konzentrationen, wie sie beim Konsum von Aromen entstehen, sind die Symptome mild und kurzlebig. Die wirklich problematische Eigenschaft ist die zeitverzögerte Wirkung: Diacetyl bindet sich an Proteine der kleinsten Bronchien (Bronchiolen) und löst dort über Wochen bis Monate eine entzündliche und vernarbende Reaktion aus, die zunächst unbemerkt verläuft.
Was Diacetyl langfristig macht
Die Folgekrankheit heißt Bronchiolitis obliterans und wurde erstmals 2002 bei Arbeitern in einer Popcornfabrik in Missouri beschrieben. Es handelt sich um eine fortschreitende Vernarbung der kleinsten Atemwege, die das Ausatmen zunehmend erschwert. Sie ist nicht heilbar — fortgeschrittene Fälle benötigen eine Lungentransplantation. Bei Rauchern und Vape-Konsumenten wurden zunehmend Berichte über Bronchiolitis-obliterans-Fälle dokumentiert, auch wenn die Studienlage zur Häufigkeit noch nicht vollständig ist.
Wo kennst du Diacetyl sonst noch?
Diacetyl kennst du als das, was Mikrowellen-Popcorn nach Butter schmecken lässt — der Buttergeschmack ist nicht Butter, sondern Diacetyl. Es kommt natürlich in Bier (besonders in Lagerbieren als unerwünschtes Gärungsprodukt), in Butter, Käse und einigen Weinen vor. In all diesen Anwendungen ist die orale Aufnahme unbedenklich; das Risiko entsteht erst durch Inhalation in der industriellen Aroma-Verarbeitung oder durch Verdampfung in E-Zigaretten.
Im Vergleich
Der NIOSH-Empfehlungswert für Diacetyl liegt bei 0,018 mg/m³ (5 ppb als 8-Stunden-Schichtwert) bzw. 0,09 mg/m³ (25 ppb als 15-Minuten-Kurzzeitwert, NIOSH REL 2016) — einer der niedrigsten Aroma-Stoff-Grenzwerte überhaupt. Eine Zigarette setzt die Diacetyl-Konzentration im Atemraum für wenige Sekunden auf ein Vielfaches dieser Werte; bei diacetyl-haltigen E-Liquids ist die Belastung über viele Züge am Tag noch konzentrierter.
Arbeitsplatz-Grenzwert: 0.018 mg/m³ (5 ppb 8h-TWA); STEL 0.09 mg/m³ (25 ppb, 15 min), NIOSH REL 2016
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