Blausäure (HCN)
Lähmt die Zellatmung — das wirkt auch in kleinsten Dosen.

Auf einen Blick
- Auch bekannt als
- Cyanwasserstoff · HCN · Blausäure
- CAS-Nummer
- 74-90-8
- Toxizität
Sehr hoch
- Krebserregend
- Nicht klassifiziert für Krebs
- Im Zigarettenrauch
- 150-300 μg per cigarette (DKFZ)
Was ist Blausäure (HCN)?
Blausäure, chemisch Cyanwasserstoff (HCN), ist ein farbloses Gas mit charakteristisch bittermandelartigem Geruch — den allerdings nur etwa 60 Prozent aller Menschen genetisch bedingt wahrnehmen können. HCN wirkt akut hochgiftig, weil es die zelluläre Sauerstoffverwertung in den Mitochondrien blockiert. Im Zigarettenrauch entsteht es bei der Verbrennung stickstoffhaltiger Tabakbestandteile.
Warum ist Blausäure (HCN) in Zigaretten?
Tabakblätter enthalten reichlich Stickstoff in Form von Aminosäuren, Nikotin und Pflanzenproteinen. Bei der unvollständigen Verbrennung dieser Verbindungen bildet sich Blausäure. Pro Zigarette gelangen 150 bis 300 Mikrogramm HCN in den Hauptstromrauch (Quelle: DKFZ). Akute Vergiftungsdosen liegen weit darüber — eine einzelne Zigarette tötet niemanden — die regelmäßige Inhalation entzieht den Atemwegszellen aber chronisch Funktion.
Was Blausäure (HCN) im Körper macht — kurzfristig
Blausäure blockiert die Cytochrom-c-Oxidase in den Mitochondrien — das Enzym, das den Zellen ermöglicht, Sauerstoff zu Energie zu verarbeiten. Die Zellen ertrinken sozusagen in Sauerstoff, den sie nicht nutzen können. In den Mengen aus einer Zigarette verursacht das keine spürbaren Akutsymptome, aber jeder Zug versetzt die Bronchialzellen kurzfristig in einen Sauerstoff-Verwertungsstillstand. Wiederholt sich das alle paar Stunden über Jahre, addieren sich die Schäden.
Was Blausäure (HCN) langfristig macht
Chronische Blausäure-Belastung im Tabakrauch trägt zur Schädigung der Flimmerhärchen in den Bronchien bei — der gleichen Selbstreinigungsfunktion, die auch durch Teer beeinträchtigt wird. Hinzu kommt ein langfristiger Beitrag zur Endothelschädigung und damit zur Arteriosklerose. Studien zeigen messbare neurologische Effekte (Konzentrationsschwächen, Sehstörungen) bei starken Rauchern, die teilweise auf HCN zurückgeführt werden.
Wo kennst du Blausäure (HCN) sonst noch?
Blausäure war über Jahrzehnte das Hinrichtungsgas in US-amerikanischen Gaskammern (bis in die 1990er-Jahre eingesetzt) und ist heute industriell vor allem in der Goldgewinnung relevant: bei der „Cyanidlaugerei“ wird goldhaltiges Gestein mit Natriumcyanid behandelt. Die anhaltend strenge EU-Regulierung des Bergbau-Cyanids spiegelt die Gefährlichkeit auch in kleinen Restmengen wider.
Im Vergleich
Der Arbeitsplatz-Grenzwert für Blausäure liegt in Deutschland bei 11 mg/m³ (10 ppm, DFG MAK 2023) — er ist auf die akute Toxizität ausgelegt, nicht auf chronische Schäden durch geringe Daueraufnahme. Ein Schachtelraucher inhaliert pro Tag rund 4 Milligramm HCN — als hochkonzentrierte Stöße direkt in die Bronchien, ohne die Verdünnung in einem mit Frischluft versorgten Arbeitsraum.
Arbeitsplatz-Grenzwert: 11 mg/m³ (10 ppm, DFG MAK 2023)
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