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Reizstoff

Ammoniak

Klingt nach Putzmittel — wirkt als Sucht-Verstärker. Vom Hersteller absichtlich beigemischt.

Ammoniak

Auf einen Blick

Auch bekannt als
NH₃ · Salmiakgeist
CAS-Nummer
7664-41-7
Toxizität

Mittel

Krebserregend
Nicht klassifiziert für Krebs
Im Zigarettenrauch
10-200 μg per cigarette (varies strongly by brand and additives, DKFZ)

Was ist Ammoniak?

Ammoniak ist ein farbloses, stechend riechendes Gas und eine der einfachsten Stickstoffverbindungen. Im Tabakrauch entsteht es teils bei der Verbrennung, teils — und das ist die wichtigere Quelle — durch absichtlich zugesetzte Ammonium-Verbindungen wie Diammoniumphosphat oder Harnstoff, mit denen Hersteller die Nikotinaufnahme beim Rauchen optimieren.

Warum ist Ammoniak in Zigaretten?

Ammoniak ist in den meisten US-amerikanischen und vielen europäischen Zigarettenmarken kein Zufallsprodukt, sondern Bestandteil eines technischen Verfahrens namens Free-Basing: Ammonium-Verbindungen verschieben den pH-Wert des Rauchs in den basischen Bereich, wodurch das Nikotin aus seiner Salzform in die freie Base übergeht. Die freie Nikotin-Base wird in der Lunge schneller und vollständiger resorbiert — der Suchteffekt setzt früher und stärker ein. Dieses Verfahren wurde in den 1990er-Jahren durch interne Dokumente der Tabakindustrie (Brown & Williamson) öffentlich bekannt.

Was Ammoniak im Körper macht — kurzfristig

Akut reizt Ammoniak die Schleimhäute der Augen, der Nase und der oberen Atemwege. In den Konzentrationen, die im Zigarettenrauch erreicht werden, ist die direkte Reizwirkung gering — sie wird vom Filter und vom Tabak weitgehend gepuffert. Die wesentliche Wirkung ist indirekt: durch die pH-Verschiebung erreicht das Nikotin das Gehirn schneller, was die emotionale Belohnungskaskade verstärkt und die Sucht-Bildung beschleunigt.

Was Ammoniak langfristig macht

Langfristig sind die ammoniak-spezifischen Effekte schwer von der allgemeinen Tabakrauch-Belastung zu trennen, da Ammoniak in den meisten Studien als Co-Faktor und nicht als isolierter Stoff untersucht wird. Bekannt sind eine verstärkte Anfälligkeit für chronische Bronchitis bei beruflich Ammoniak-exponierten Personen und eine Triggerwirkung bei Asthma. Die deutlichere Langzeitwirkung im Rauch ist die durch das Free-Basing verstärkte Nikotin-Abhängigkeit selbst.

Wo kennst du Ammoniak sonst noch?

Ammoniak kennst du als Hauptbestandteil vieler Reinigungsmittel — den typischen Geruch von Glasreinigern und manchen Toilettenreinigern. Industriell ist es Grundstoff für die Düngemittelproduktion (Haber-Bosch-Verfahren) und Kühlmittel in großen Kälteanlagen wie Eisstadien. Reines Ammoniakwasser kennst du als „Salmiakgeist“ aus dem Drogeriemarkt.

Putzmittel mit AmmoniakGrundstoff für Düngemittelindustrielles Kältemittel (z. B. Eisstadien)

Im Vergleich

Der Arbeitsplatz-Grenzwert für Ammoniak liegt in Deutschland bei 14 mg/m³ (20 ppm, DFG MAK 2023). Die Mengen pro Zigarette wirken absolut gering — ihre Funktion ist aber nicht akute Reizung, sondern die Optimierung der Nikotinaufnahme. Also eine direkte Sucht-Verstärkung, gegen die kein Grenzwert schützt.

Arbeitsplatz-Grenzwert: 14 mg/m³ (20 ppm, DFG MAK 2023)

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