Benzol
Aus dem Benzin verbannt — in jedem Zug enthalten.

Auf einen Blick
- Auch bekannt als
- Benzen
- CAS-Nummer
- 71-43-2
- Toxizität
Sehr hoch
- Krebserregend
- Ja — IARC Gruppe 1
- Im Zigarettenrauch
- 50-90 μg per cigarette (DKFZ)
- Im Vape-Aerosol
- trace amounts at high wattages (formed from PG/VG decomposition)
Was ist Benzol?
Benzol ist ein farbloser, süßlich riechender Aromat und einer der wichtigsten chemischen Grundstoffe der Industrie. Die IARC stuft Benzol seit 1987 als „krebserregend für den Menschen“ (Gruppe 1) ein, der Zusammenhang mit Leukämie ist seit den 1970er-Jahren wissenschaftlich gesichert. Im Zigarettenrauch entsteht es bei der Pyrolyse organischer Bestandteile.
Warum ist Benzol in Zigaretten?
Beim Verbrennen von Tabak und Papier entstehen aus den langen Kohlenstoffketten der Pflanzenfasern aromatische Ringverbindungen — Benzol ist die einfachste davon. Pro Zigarette gelangen 50 bis 90 Mikrogramm Benzol an den Raucher (Quelle: DKFZ). Diese Menge wirkt klein, ist bei einer Schachtel täglich aber höher als das, was Beschäftigte an stark belasteten Arbeitsplätzen über Schutzmaßnahmen jemals aufnehmen dürfen.
Was Benzol im Körper macht — kurzfristig
Akute Benzol-Mengen aus einer Zigarette verursachen keine spürbaren Symptome. Bei hohen Konzentrationen — Industrieunfälle, Tankleckagen — kommt es zu Schwindel, Übelkeit, Konzentrationsstörungen und im Extremfall zu Bewusstlosigkeit. Die eigentliche Gefahr von Benzol liegt aber nicht in der akuten Aufnahme, sondern in der jahrelangen Anreicherung: Benzol erreicht über die Lunge das Knochenmark, wo die Blutbildung stattfindet.
Was Benzol langfristig macht
Im Knochenmark schädigt Benzol die blutbildenden Stammzellen. Am besten belegt ist der Zusammenhang mit der akuten myeloischen Leukämie (AML), aber auch chronische lymphatische Leukämie, Lymphome und das myelodysplastische Syndrom kommen vor. Die Wirkung ist dosisabhängig, doch es gibt keine sichere Untergrenze. Studien beziffern den Anteil von Tabakrauch an benzolbedingten Leukämien in Industrieländern auf 10 bis 20 Prozent.
Wo kennst du Benzol sonst noch?
Benzol war über Jahrzehnte ein Hauptbestandteil von Schuhklebern, Reinigungsmitteln und Benzin — und genau deshalb seit den 1970er-Jahren in den meisten Anwendungen verboten oder massiv reglementiert. Im Tankstellenbenzin liegt der Anteil heute unter 1 Prozent, in der EU sind Benzol-haltige Lacke und Klebstoffe nahezu vollständig vom Markt verschwunden.
Im Vergleich
Die Akzeptanzkonzentration für Benzol am Arbeitsplatz liegt in Deutschland bei 0,2 mg/m³ (TRGS 910). Ein Schachtelraucher nimmt täglich rund 1,5 Milligramm Benzol über den Rauch auf — vergleichbar mit der Maximaldosis, die ein Industriebeschäftigter über 8 Stunden Aufenthalt aufnehmen dürfte, allerdings direkt in die Atemwege ohne die Verdünnung in offenem Arbeitsraum.
Arbeitsplatz-Grenzwert: 0.2 mg/m³ (0.06 ppm, Akzeptanzkonzentration TRGS 910)
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