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Zusatzstoff

Pyridin

Klingt unscheinbar — riecht ekelhaft — hängt im Pulli.

Pyridin

Auf einen Blick

Auch bekannt als
Azabenzol · Azin
CAS-Nummer
110-86-1
Toxizität

Mittel

Krebserregend
Nicht klassifiziert für Krebs
Im Zigarettenrauch
6-30 μg per cigarette (DKFZ)

Was ist Pyridin?

Pyridin ist eine stickstoffhaltige Ringverbindung mit charakteristisch fischig-stechendem Geruch. Es ist eines der wichtigsten Heterocyclen-Lösungsmittel der Chemie. Im Tabakrauch entsteht es als Pyrolyseprodukt aus Nikotin und anderen stickstoffhaltigen Bestandteilen — und ist ein Hauptverantwortlicher für den hartnäckigen Geruch von kaltem Rauch in Kleidung und Möbeln.

Warum ist Pyridin in Zigaretten?

Beim Erhitzen zerfällt Nikotin teilweise zu kleineren stickstoffhaltigen Bruchstücken, darunter Pyridin. Pro Zigarette gelangen 6 bis 30 Mikrogramm Pyridin in den Hauptstromrauch (Quelle: DKFZ). Pyridin hat einen extrem niedrigen Geruchsschwellenwert — schon Nanogrammspuren reichen, um Stoffe und Haare riechbar zu kontaminieren. Es ist der eigentliche „Aschenbecher-Geruch“ im Raum.

Was Pyridin im Körper macht — kurzfristig

In den Mengen aus einer Zigarette löst Pyridin keine spürbaren Akutsymptome aus. In höheren Konzentrationen reizt es Schleimhäute, kann Übelkeit und Kopfschmerzen auslösen und wirkt leicht zentralnervös. Pyridin wird in der Leber abgebaut — bei chronischer hoher Belastung wurden Leberfunktionsstörungen beobachtet, allerdings nur in industriellen Expositionssituationen.

Was Pyridin langfristig macht

Pyridin selbst gilt als nicht eindeutig krebserregend (IARC Gruppe 3, ungenügende Datenlage), trägt aber zur allgemeinen Belastung der Leber und des Nervensystems bei. Wichtiger als die direkte Toxizität ist die Rolle von Pyridin als sensorischer Marker: Wer Pyridin riecht, hat den Stoff bereits eingeatmet — und das gilt auch für Passivraucher. Pyridin ist einer der Hauptverdächtigen hinter den Gesundheitseffekten von „Third-Hand-Smoke“ (Rauchgeruch in Textilien, Möbeln, Haaren).

Wo kennst du Pyridin sonst noch?

Pyridin wird industriell als Lösungsmittel für Farbstoffe, Kunststoffe und Pharmaka eingesetzt und ist Bestandteil von Pflanzenschutzmittel-Syntheseschritten. In Lebensmittelchemie taucht es als Spurenkomponente bei der Maillard-Reaktion auf — der Bräunungsprozess beim Rösten von Fleisch oder beim Backen erzeugt Spuren. Die Hauptmenge, der Menschen im Alltag begegnen, stammt allerdings aus Tabakrauch.

Lösungsmittel für FarbstoffeSynthesebaustein für PflanzenschutzmittelNebenprodukt der Maillard-Reaktion (Röst-Bräunung)Hauptverursacher des Aschenbecher-Geruchs („Third-Hand-Smoke“)

Im Vergleich

Die DFG-MAK-Kommission hat den Arbeitsplatz-Grenzwert für Pyridin derzeit ausgesetzt, weil die Datenlage als unzureichend für eine sichere Festlegung gilt; historisch lag der Wert bei 16 mg/m³ (5 ppm). Die Mengen pro Zigarette wirken klein, sind aber der Hauptgrund, warum Rauchergeruch sich so hartnäckig hält und auch noch Stunden nach der letzten Zigarette in der Atemluft messbar ist.

Arbeitsplatz-Grenzwert: DFG MAK derzeit ausgesetzt (unzureichende Datenlage); historisch 16 mg/m³ (5 ppm)

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