Polonium-210
Das radioaktive Element aus dem Litvinenko-Mord. Auch im Tabak enthalten.

Auf einen Blick
- Auch bekannt als
- Po-210 · ²¹⁰Po
- CAS-Nummer
- 13981-52-7
- Toxizität
Sehr hoch
- Krebserregend
- Ja — IARC Gruppe 1
- Im Zigarettenrauch
- 0.04-0.30 pCi per cigarette (1.5-11 mBq, NIH/EPA)
Was ist Polonium-210?
Polonium-210 ist ein radioaktiv zerfallendes Isotop des Elements Polonium. Es zerfällt unter Aussendung von Alpha-Strahlung — energiereichen Heliumkernen, die Gewebe auf engstem Raum stark schädigen. Po-210 gelangt aus dem Boden über die Wurzeln in die Tabakpflanze und reichert sich in den Blättern an, vor allem dort, wo phosphathaltiger Dünger eingesetzt wurde.
Warum ist Polonium-210 in Zigaretten?
Phosphathaltige Dünger enthalten natürliche Spuren von Radium-226, das durch radioaktiven Zerfall zu Polonium-210 wird. Tabakblätter binden diese Spuren über klebrige Trichome (winzige Härchen an der Blattoberfläche). Beim Verbrennen wird Polonium nicht zerstört — es geht teils in den Rauch über, teils in die Asche. Studien des US-amerikanischen National Cancer Institute schätzen, dass ein Schachtelraucher über 20 Jahre eine Dosis erhält, die mehreren hundert Röntgen-Thorax-Aufnahmen entspricht.
Was Polonium-210 im Körper macht — kurzfristig
Die radioaktive Belastung pro Zigarette ist messbar, aber so klein, dass sie keine spürbaren Akutsymptome verursacht. Die Schädigung ist rein stochastisch: Alpha-Strahlung trifft DNA-Bereiche in den Bronchialzellen und löst dort Mutationen aus. Eine einzelne Zigarette mag rein statistisch keinen Effekt haben — die Summe über zehntausende Zigaretten über Jahre verändert das Risiko aber nachweisbar.
Was Polonium-210 langfristig macht
Polonium-210 ist von der IARC als Gruppe-1-Karzinogen klassifiziert (Alpha-strahlende Radionuklide). Die Alpha-Strahlung wirkt bevorzugt direkt am Ort der Ablagerung — also in den Bronchialverzweigungen, wo sich auch Teer-Partikel sammeln. Lungenkrebs genau in diesen Regionen ist statistisch typisch für Raucherlungen. Manche Studien (Radford & Hunt, NEJM 1964) führen einen messbaren Teil des Raucher-Lungenkrebsrisikos direkt auf die polonium-bedingte Strahlenbelastung zurück.
Wo kennst du Polonium-210 sonst noch?
Polonium-210 wurde 2006 weltweit bekannt als das Mittel, mit dem der ehemalige russische Geheimdienstler Alexander Litvinenko in London vergiftet wurde — er starb innerhalb von drei Wochen. Industriell findet Po-210 Anwendung in antistatischen Bürsten für empfindliche Elektronik und war Bestandteil der Zündvorrichtung früher Atombomben. Im Konsumentenbereich ist es in den meisten Ländern reglementiert oder verboten.
Im Vergleich
Für Polonium-210 gibt es keine klassische Arbeitsplatz-Konzentrationsgrenze — radioaktive Stoffe werden über Jahresdosisgrenzen reguliert (Strahlenschutzverordnung). Die radioaktive Belastung aus Tabakrauch liegt nach EPA-Schätzungen bei einem Schachtelraucher in der Größenordnung mehrerer hundert Röntgen-Thorax-Äquivalente über ein Raucherleben.
Arbeitsplatz-Grenzwert: keine Konzentrationsgrenze — Jahresdosisgrenze gilt (StrlSchV)
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