Naphthalin
Der Mottenkugel-Stoff — in der EU als Kontaktgift verboten, in jedem Zug enthalten.

Auf einen Blick
- Auch bekannt als
- Naphthalin · Mottenkugel-Stoff
- CAS-Nummer
- 91-20-3
- Toxizität
Hoch
- Krebserregend
- Ja — IARC Gruppe 2B
- Im Zigarettenrauch
- 1-5 μg per cigarette (DKFZ)
- Im Vape-Aerosol
- trace amounts at high wattages
Was ist Naphthalin?
Naphthalin ist ein polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoff (PAK) und der einfachste seiner Klasse — zwei verschmolzene Benzolringe. Charakteristisch ist sein stark süßlich-teerartiger Geruch, der bei Raumtemperatur als Sublimationsdampf abgegeben wird. Die IARC stuft Naphthalin als Gruppe 2B („möglicherweise krebserregend für den Menschen“) ein.
Warum ist Naphthalin in Zigaretten?
Bei der unvollständigen Verbrennung von Tabakbestandteilen entstehen — wie bei Benzo[a]pyren, aber kleiner und flüchtiger — Zwei- und Drei-Ring-PAKs. Naphthalin ist davon der häufigste Vertreter mit 1 bis 5 Mikrogramm pro Zigarette im Hauptstromrauch (Quelle: DKFZ). Anders als die größeren PAKs ist Naphthalin gasförmig und gelangt tiefer in die Lunge.
Was Naphthalin im Körper macht — kurzfristig
Akut reizt Naphthalin Augen, Nase und obere Atemwege. Bei höherer Belastung kommen Kopfschmerzen, Übelkeit und in seltenen Fällen eine hämolytische Anämie bei Menschen mit Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (G6PD) hinzu — eine genetisch bedingte Stoffwechselbesonderheit, die etwa 400 Millionen Menschen weltweit betrifft. Diese Patienten reagieren auf Naphthalin mit Erythrozyten-Zerfall.
Was Naphthalin langfristig macht
Bei chronisch belasteten Versuchstieren — vor allem in Nagetier-Studien — entwickeln sich Nasenhöhlen-Tumore und Tumore der oberen Atemwege. Die Übertragung auf den Menschen ist Diskussionsgrundlage für die IARC-2B-Einstufung. Bei Rauchern und beruflich exponierten Personen (z. B. in Steinkohlenteer-Verarbeitung) korrelieren die Belastungswerte mit gehäuften Atemwegstumoren.
Wo kennst du Naphthalin sonst noch?
Naphthalin kennst du als den Geruch klassischer Mottenkugeln — diese sind in der EU seit 2008 für den Verkauf an Verbraucher verboten, dürfen aber in Industrie-Kontexten weiter eingesetzt werden. Naphthalin entsteht außerdem in Dieselabgasen und ist Hauptbestandteil von Steinkohlenteer. Trotz EU-Verbot tauchen Mottenkugeln gelegentlich noch im Online-Versandhandel auf.
Im Vergleich
Der Arbeitsplatz-Grenzwert für Naphthalin liegt in Deutschland bei 0,5 mg/m³ (AGW, TRGS 900). Eine Zigarette setzt diese Konzentration in der direkten Inhalation deutlich frei — die Belastung addiert sich über Jahre mit anderen PAK-Vertretern, allen voran Benzo[a]pyren.
Arbeitsplatz-Grenzwert: 0.5 mg/m³ (AGW TRGS 900)
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