Phenol
Erstes Antiseptikum der Medizin — und Krebs-Promotor im Rauch.

Auf einen Blick
- Auch bekannt als
- Carbolsäure · Hydroxybenzol
- CAS-Nummer
- 108-95-2
- Toxizität
Hoch
- Krebserregend
- Nicht klassifiziert für Krebs
- Im Zigarettenrauch
- 60-140 μg per cigarette (DKFZ)
Was ist Phenol?
Phenol (Hydroxybenzol, Carbolsäure) ist eine kristalline Verbindung mit charakteristisch süßlich-medizinischem Geruch. Es war eines der ersten antiseptischen Mittel der Medizingeschichte — Joseph Lister revolutionierte 1867 mit Phenol-Sprays die Chirurgie. Heute ist es Grundstoff für Phenolharze (Bakelit, Spanplattenkleber) und Pharmaka. Die IARC stuft Phenol als Gruppe 3 ein, in Kombination mit anderen Stoffen wirkt es jedoch nachweislich krebs-promovierend.
Warum ist Phenol in Zigaretten?
Phenol entsteht bei der Pyrolyse pflanzlicher Phenole und Aminosäuren im Tabak — eng verwandt mit Brenzcatechin und Hydrochinon. Pro Zigarette gelangen 60 bis 140 Mikrogramm Phenol in den Hauptstromrauch (Quelle: DKFZ). Im Rauch wirkt Phenol weniger als eigenständiges Karzinogen, sondern als Promotor — es verstärkt die DNA-schädigende Wirkung von Benzo[a]pyren und anderen polyzyklischen Aromaten erheblich.
Was Phenol im Körper macht — kurzfristig
Akut reizt Phenol Augen, Atemwege und Haut. In den geringen Mengen aus einer Zigarette sind keine spürbaren Akutsymptome zu erwarten. Bei direktem Hautkontakt — etwa in industrieller Produktion — verursacht Phenol Verbrennungen und kann durch die Haut systemisch aufgenommen werden, mit nervlichen Symptomen (Schwindel, Übelkeit) bei höheren Dosen.
Was Phenol langfristig macht
Chronische Phenol-Belastung führt zu anhaltenden Atemwegsreizungen und Schleimhautveränderungen. Die in der Tabakforschung dokumentierte zentrale Wirkung ist die Promotor-Funktion: Phenol selbst löst keine Tumore aus, beschleunigt aber das Wachstum bereits angelegter Tumorzellen. Studien an Mäusen zeigen, dass Phenol auf die Haut aufgetragen die karzinogene Wirkung von Benzo[a]pyren um Faktor 3 bis 10 verstärkt.
Wo kennst du Phenol sonst noch?
Phenol kennst du als „Carbol“ — Lister verwendete es ab 1867 als Wundantiseptikum in der Chirurgie und reduzierte damit die Sterblichkeit nach Amputationen drastisch. Heute ist Phenol Grundstoff für Phenol-Formaldehyd-Harze (Bakelit, Spanplattenklebstoffe) und für die Aspirin-Synthese (über Salicylsäure). Verdünnte Phenol-Lösungen finden noch Anwendung in einigen medizinischen Anwendungen (Halsspray).
Im Vergleich
Der Arbeitsplatz-Grenzwert für Phenol liegt in Deutschland bei 8 mg/m³ (2 ppm, AGW TRGS 900). Die Mengen pro Zigarette liegen weit darunter — die Bedeutung von Phenol im Tabakrauch liegt nicht in der akuten Toxizität, sondern in der promotorartigen Verstärkung der Krebswirkung anderer Stoffe.
Arbeitsplatz-Grenzwert: 8 mg/m³ (2 ppm, AGW TRGS 900)
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